Krebs in all seinen unterschiedlichen und zahlreichen Formen zählt zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. In Österreich erkranken jährlich rund 46.000 Menschen neu, etwa 440.000 leben aktuell mit einer Krebsdiagnose. Die Zahl der Erkrankungen ist in den letzten Jahren stetig angestiegen – und ältere Menschen sind besonders häufig betroffen. In der Altersgruppe der über 75-Jährigen liegt die Krebswahrscheinlichkeit bereits bei rund 34%. Somit erhält statistisch gesehen jede:r Dritte über 75-Jährige die Diagnose Krebs.
Diese Entwicklung verlangt nach einer vorausschauenden Gesundheitspolitik, die Prävention und Früherkennung als zentrale Säulen versteht. Denn: Je früher eine Krebserkrankung diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen. Und desto geringer ist die Belastung für die Patient:innen und das Gesundheitssystem.
Für die ältere Generation ist der Zugang zur Vorsorge leider häufig mit Hürden verbunden: Mobilitätseinschränkungen, fehlende Informationen oder Unsicherheiten im Umgang mit digitalen Gesundheitsdiensten erschweren die Teilnahme. Umso wichtiger ist es, dass Präventions- und Informationsmaßnahmen niederschwellig, altersgerecht und verständlich gestaltet werden. Information und Anmeldung müssen auch ohne digitale Hürden kostenlos möglich sein.
Untersuchungen zur Prävention oder im Verdachtsfall müssen flächendeckend in ganz Österreich angeboten werden – und zwar zeitnah und unabhängig von der Art der Versicherung oder der Stärke der Geldbörse.
Österreich verfügt über ein Brustkrebs-Früherkennungs-programm, das Frauen ab dem 40. Lebensjahr alle zwei Jahre eine kostenlose Untersuchung ermöglicht. Dies wird derzeit aber nur von rund 40% der Frauen in Anspruch genommen. Hier zeigt sich, dass noch viel Aufklärungs- und Informationsbedarf besteht – gerade bei älteren Frauen, Frauen mit Migrationshintergrund und Frauen aus niedrigen Einkommensschichten.
Ebenso entscheidend wie Früherkennung und Prävention ist die onkologische Therapie selbst. Gerade im höheren Lebensalter erfordert sie ein sorgfältiges Abwägen zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit. Ziel muss eine evidenzbasierte, individuell angepasste Behandlung sein, die Lebensqualität und Selbstständigkeit erhält.
Der österreichische Krebsreport liefert eine bedeutende und fundierte Grundlage für Medizin, Politik und Forschung. Auf seiner Basis kann eine vorausschauende Gesundheitspolitik gestaltet werden, die den aktuellen und künftigen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Krankheit Krebs effizient, aber auch menschlich begegnet. Denn Vorsorge ist mehr als eine medizinische Maßnahme – sie ist Ausdruck von Fürsorge, Respekt und einer solidarischen Zukunftsgestaltung. Sie verhindert menschliches Leid und entlastet auf längere Sicht auch unser Gesundheitssystem.
Birgit Gerstorfer, MBA
Präsidentin Österreichischer Seniorenrat
und Pensionistenverband Österreichs