Im Krebsreport des vergangenen Jahres haben wir den Fokus auf Menschen gelegt, die im klassischen sogenannten „erwerbsfähigen Alter“ (15–64 Jahre) mit einer Krebsdiagnose konfrontiert sind. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mehrheit aller Krebspatient:innen 65 Jahre und älter ist. Die Tatsache, dass Krebs eine Erkrankung des Alters ist, und die damit einhergehenden Herausforderungen betrachten wir daher im Krebsreport 2025.
Im ersten Teil des folgenden Beitrags beleuchten wir die Epidemiologie von Krebs bei älteren Menschen in Österreich. Der zweite Teil widmet sich der Therapie älterer Krebspatient:innen: Zunächst wurde auf Basis österreichweiter Abrechnungsdaten der Spitäler für den Krebsreport 2025 erstmals ausgewertet, ob ältere Menschen in Österreich gleichermaßen Zugang zu innovativen medikamentösen onkologischen Therapien haben wie jüngere. Danach wurde für die Gruppe der älteren und alten Krebspatient:innen in Österreich untersucht, ob es in den letzten 15–20 Jahren zu einer Verbesserung des Überlebens – analog wie bei jüngeren Menschen – gekommen ist. Neben den weiteren Beiträgen des Krebsreports 2025, welche die Besonderheiten in der onkologischen Therapie bei Älteren darstellen, liefert diese Analyse somit die Grundlage einer datenbasierten Diskussion über die Versorgungssituation älterer Krebspatient:innen in Österreich.
Was ist „alt“?
In der Literatur gibt es keine strikte Altersgrenze für die Definition eines/einer „älteren“ oder „alten“ Krebspatient:in, da das biologische Alter (siehe Wiltschke, Stauder: „Krebs und Alter“; Seite 20) für Therapieentscheidungen wesentlich wichtiger ist als das kalendarische. Zum Zweck der Präsentation österreichischer Daten war es aber notwendig, Altersgrenzen zu verwenden, um Kohorten nach dem Alter zu unterscheiden. Im folgenden Beitrag wurde daher – in Anlehnung an zahlreiche einschlägige Publikationen und als Abgrenzung der im Krebsreport 2024 betrachteten Gruppe der 15- bis unter 65-Jährigen – die Grenze von 65 Jahren verwendet. Jenseits dieses Alters wurden die Betroffenen in 5-jährige Altersgruppen unterteilt.
Tab. 1: Krebsneuerkrankungen nach Alter und Geschlecht (Jahresdurchschnitt 2021–2023)
Quelle: Statistik Austria, Österreichisches Krebsregister (Stand 10.01.2025) und Todesursachenstatistik.
Abb. 1: Krebsneuerkrankungsrisiko unterschiedlicher Altersgruppen. Altersspezifische Raten jeweils auf 100.000 Männer bzw. Frauen, Jahresdurchschnitt 2021–2023
Häufigkeit von Krebserkrankungen im Alter
Dass Krebs eine Erkrankung des Alters ist, zeigen die Daten des Österreichischen Nationalen Krebsregisters der Statistik Austria: Mehr als 60% aller Österreicher:innen, die eine Krebsdiagnose erhalten, sind zum Diagnosezeitpunkt zumindest 65 Jahre alt, etwa ein Drittel der Krebsneudiagnosen betrifft Menschen ab dem 75. Lebensjahr und immerhin ein Fünftel Menschen ab 80 Jahren (Jahresdurchschnitt 2021–2023; Stand 10.01.2025).
In absoluten Zahlen erkranken mehr Männer als Frauen im Alter ab 65 Jahren an Krebs. Dies liegt unter anderem daran, dass sich das Erkrankungsalter der häufigsten Krebserkrankungen geschlechtsabhängig unterscheidet: Brustkrebs, die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, trifft bereits viele Frauen unter 65 Jahren. Das Risiko für Prostatakrebs, der häufigsten Krebserkrankung bei Männern, steigt hingegen stark mit dem Alter. Ab 65 Jahren erkranken nahezu doppelt so viele Männer an Prostatakrebs wie Frauen an Brustkrebs (rund 5.100 : 3.200). Darüber hinaus ist das Erkrankungsrisiko im Allgemeinen bei vielen Tumorarten bei Männern höher als bei Frauen.
Um das Erkrankungsrisiko zu beurteilen, sind die absoluten Erkrankungszahlen auf die zugrunde liegende Bevölkerung zu beziehen. Beispielhaft erklärt: Obwohl im Alter ab 80 Jahren etwa gleich viele Männer wie Frauen an Krebs erkranken (Tabelle 1), ist das Erkrankungsrisiko für Frauen in dieser Altersgruppe deutlich geringer (Abbildung 1). Die rund 4.500 erkrankten Männer sind 4.500 von rund 200.000 Männern, die im Alter von mindestens 80 Jahren in Österreich leben, wohingegen die 4.500 Frauen einem kleineren Anteil der 300.000 Frauen ab 80 in Österreich entsprechen. Daher sind in den Abbildungen 1 und 3 die erkrankten Personen immer auf eine Grundgesamtheit von 100.000 Personen gleichen Alters und Geschlechts bezogen. Durch diese Normierung ist das Risiko unabhängig von der tatsächlichen Bevölkerungsgröße vergleichbar.
Der Anteil älterer Menschen unter den Krebsneuerkrankungen steigt über die Zeit, vor allem, weil auch der Anteil der Personen ab 65 Jahren in der Bevölkerung ansteigt (2010: 18%; 2025: 21%; 2040: 27%). Aufgrund dieser demografischen Veränderung ist auch mit einer weiteren Zunahme des Anteils der 65-jährigen und älteren Menschen an jenen mit Krebsneuerkrankungen zu rechnen (2010: 62%; 2025: 66%; 2040: 76%).
In Österreich leben rund 257.000 Menschen im Alter ab 65 Jahren nach einer Krebsdiagnose (Prävalenz). Davon er hielten etwa 76.000 Personen (30%) die Diagnose in den Jahren 2019–2023 (5-Jahres-Prävalenz) und sind somit besonders relevant für die aktuelle Versorgung.
Abb. 2: Personen, die zum jeweiligen Jahresende nach einer Krebsdiagnose in Österreich leben (Krebsprävalenz, Zählung exkl. Mehrfachtumoren)
Die Zahl älterer Menschen mit Krebs ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Ende 2013 waren es rund 194.000, davon etwa 60.000 mit einer Diagnose innerhalb der letzten fünf Jahre. Somit besteht zwischen 2013 und 2023 eine Steigerung der 5-Jahres-Krebsprävalenz bei Menschen ab 65 Jahren von > 26%. Dieser Trend wird sich fortsetzen: Für das Jahr 2040 wird ein Anstieg auf rund 429.000 Personen ab 65 Jahren, die im Laufe ihres Lebens eine Krebsdiagnose erhalten haben, prognostiziert (Abbildung 2). Geht man davon aus, dass weiterhin etwa 30% davon die Diagnose in den letzten fünf Jahren erhalten haben, betrifft dies 2040 rund 129.000 Menschen ab 65 Jahren, die für die Versorgung besonders relevant sind (im Vergleich zu 2013 mehr als eine Verdoppelung). Angesichts der Komplexität der Versorgung älterer Krebspatient:innen (siehe Beitrag Seite 20, 23) stellt dies eine große und zunehmende Herausforderung für das österreichische Gesundheitssystem dar.
Individuelles Krebsrisiko im Alter
Verglichen mit Personen unter 65 Jahren ist das Risiko einer Krebsdiagnose – bezogen auf die zugrunde liegende Bevölkerung der jeweiligen Altersgruppe – bei Menschen ab 65 Jahren ungefähr verdreifacht (Abbildung 3).
In Abbildung 3 ist auch zu erkennen, dass das Risiko einer Krebsdiagnose im Alter von 75–84 Jahren bei beiden Geschlechtern am höchsten ist und in sehr hohem Lebensalter wieder sinkt. Dieser Verlauf wird auch international so beobachtet.*
* https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Datenbankabfrage/datenbankabfrage_stufe1_node.html
Krebsneuerkrankungen je 100 000 Personen gleichen Alters und Geschlechts
Abb. 3: Krebsneuerkrankungsrisiko unterschiedlicher Altersgruppen, nach Geschlecht und Tumorlokalisation
Tumorarten bei älteren Menschen
Abbildung 3 zeigt darüber hinaus, dass die im jüngeren Alter häufigsten Krebserkrankungen auch bei älteren Menschen häufig vorkommen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass bei manchen Krebsarten, vor allem im Bereich des Verdauungstrakts (Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse), das Erkrankungsrisiko kontinuierlich mit dem Alter ansteigt, während bei anderen häufigen Erkrankungen wie Lungen- oder Prostatakrebs das Risiko einer Krebsdiagnose in sehr hohem Alter abnimmt (Abbildung 4). Neben der Abnahme des Erkrankungsrisikos ist eine mögliche weitere Erklärung für den Rückgang der Zahlen auch eine Abnahme der Wahrscheinlichkeit, dass eine vorliegende Krebserkrankung diagnostiziert wird. Dies kann im Vorliegen anderer vorrangiger gesundheitlicher Probleme und in der Verringerung der Screeningbemühungen begründet sein. Abbildung 4 stellt die Risikoverläufe der häufigsten Erkrankungen gegenüber.
Herausforderungen bei der Behandlung älterer Krebspatient:innen
An anderer Stelle dieses Krebsreports (siehe Wiltschke, Stauder, Seite 20, 23; Strassl, Weltermann, Seite 27) wird ausgeführt, dass die Therapie älterer Krebspatient:innen aufgrund zusätzlicher gesundheitlicher Probleme, der Einnahme anderer Medikamente oder aufgrund von Gebrechlichkeit herausfordernd sein kann, weil Therapien, die im jüngeren Alter gut vertragen werden, bei älteren Menschen erhebliche und zum Teil gefährliche Nebenwirkungen haben können. Diese Risiken dürfen nicht unterschätzt werden, um Patient:innen nicht zu schaden. Wie im Beitrag von Wiltschke und Stauder (Seite 20, 23) diskutiert, besteht gleichzeitig das Problem, dass ältere Personen oft nicht in klinische Studien eingeschlossen werden und der medizinische Wissensstand darüber, wie effektiv und sicher die Medikamente für ältere Menschen sind, daher im Vergleich zu jüngeren limitiert ist. Ärzt:innen stehen also oft vor der Frage, ob sie Krebstherapien, die bei älteren Patient:innen nicht getestet wurden, bei diesen Patient:innen einsetzen können bzw. sollen.
Andererseits ist in der Abwägung möglicher Therapienebenwirkungen gegenüber einem möglichen Therapienutzen einer Untertherapie oder gar therapeutischer Nihilismus wegen höheren oder hohen Alters unbedingt zu vermeiden, da viele ältere Menschen noch fit genug sind, um von einer Krebstherapie profitieren zu können. Wie im Beitrag von Stauder und Wiltschke „Krebs und Alter“ dargestellt, spielt das kalendarische Alter dabei eine geringere Rolle als das sogenannte „biologische“ Alter. Im klinischen Alltag erlebt man oft, dass Krebstherapien von älteren Menschen ähnlich gut vertragen werden wie von jüngeren Patient:innen.
Neue Daten zur Anwendung innovativer Krebstherapien bei Älteren
Bislang gibt es keine publizierten Daten zur Therapie älterer Krebspatient:innen auf nationaler Basis in Österreich. Im Folgenden haben wir uns der Frage angenähert, ob ältere Krebspatient:innen in Österreich genauso wie jüngere von den Fortschritten in der Onkologie profitieren, indem sie mit modernen Krebsmedikamenten behandelt werden. Im Fall eines klaren „Alterslimits“ wäre zu erwarten, dass neue Therapien nur bis zu einer bestimmten Altersgrenze (z.B. 65 oder 70 Jahre) gegeben werden. Im wünschenswerten Fall der Berücksichtigung des biologischen Alters und der Tatsache, dass auch ältere Menschen von Therapien profitieren können, würde man eine allmähliche Abnahme der Gabe moderner Therapien bis ins hohe (kalendarische) Alter sehen. Auf Basis von Daten der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) wurden im Folgenden für den Krebsreport 2025 die Daten von 2015 bis 2023 der intramuralen Diagnosen- und Leistungsdokumentation im Hinblick auf die beschriebene Fragestellung analysiert. Dabei handelt es sich um anonymisierte Patientendaten der Krankenanstalten, die primär zum Zweck der Abrechnung nach dem System der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) erhoben werden.1
Abb. 4: Risiko der Diagnose ausgewählter Krebserkrankungen bei Menschen ab 65 Jahren
Für die Analyse wurden – stellvertretend für zahlreiche innovative Therapien – einige innovative onkologische Medikamente ausgewählt (alphabetische Auflistung):
1 Alle Zahlen beziehen sich auf stationäre Aufenthalte bzw. ambulante Besuche in österreichischen Fondskrankenanstalten (FKA); Quelle: Diagnosen- und Leistungsdokumentation, BMASGPK (2025)
Gabe innovativer Onkologika bis ins hohe Alter
In Abbildung 5 ist ersichtlich, dass alle genannten Therapien in Österreich bis ins hohe Alter eingesetzt werden. Ausnahmslos alle Substanzen wurden auch bei Patient:innen im Alter ≥ 85 Jahren angewendet. Die Verteilung über die Altersgruppen zeigt, dass keine harte Altersgrenze für die Therapieentscheidung verwendet wird.
Abbildung 6 zeigt den Anteil der Patient:innen in den jeweiligen Altersgruppen, die eines der ausgewählten Medikamente erhielten – bezogen auf alle Patient:innen mit der entsprechenden Diagnose. Die insgesamt niedrigen Anteile lassen sich vor allem dadurch erklären, dass es sich um zielgerichtete Therapien handelt, die nur bei Vorliegen spezifischer molekularer Merkmale eingesetzt werden können, die nicht bei allen Patient:innen mit der jeweiligen Diagnose vorhanden sind. Zudem sind viele der betrachteten Wirkstoffe erst seit 2022 bzw. 2023 in Österreich verfügbar. Die Verteilung über die Altersgruppen hinweg zeigt meist nur geringe Unterschiede. Dies deutet darauf hin, dass auch ältere Krebspatient:innen eine vergleichbare Chance haben, Zugang zu diesen innovativen Therapien zu erhalten, sofern sie aus körperlicher Sicht für die Therapie geeignet sind.
Abb. 5: Gabe von hochpreisigen, innovativen Onkologika über unterschiedliche Altersgruppen in Österreich 2015–2023
Abb. 6: Anteil der Patient:innen mit entsprechender Diagnose, die eines der ausgewählten Onkologika erhielten, im Vergleich zu allen Patient:innen mit der gleichen Diagnose
Therapiedauer bei älteren Krebspatient:innen
Alle genannten Therapien werden wiederholt intravenös oder subkutan im Abstand von einer bis mehreren Wochen verabreicht. In einer weiteren Analyse wurde nun die Frage gestellt, ob ältere Patient:innen ähnlich viele Einzelgaben der jeweiligen Therapie (pro Patient:in) erhalten wie jüngere Menschen. Hierzu wurden die Patient:innen in 3 Altersgruppen eingeteilt (< 65; 65–79; 80+). Eine geringere Anzahl an Einzeldosen bei älteren Menschen könnte darauf hindeuten, dass die jeweilige Therapie nicht wirksam oder zu toxisch war. Für keines der untersuchten Onkologika zeigte die ANOVA (Analyse der Varianz) einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen jüngeren, mittelalten und älteren Patient:innen. Es ist daher davon auszugehen, dass die onkologischen Behandler:innen die Verträglichkeit und Wirksamkeit der jeweiligen Therapien auch bei älteren Patient:innen gut einschätzen konnten.
Wenn ältere Krebspatient:innen im Falle ausreichender körperlicher Fitness in Österreich genauso mit innovativen Krebsmedikamenten behandelt werden wie jüngere, dann wäre zu erwarten, dass Verbesserungen im Überleben nach einer Krebsdiagnose auch älteren Menschen zugutekommen. Um diese Frage zu analysieren, wurden Daten zum Überleben nach unterschiedlichen Krebserkrankungen von der Statistik Austria für den Krebsreport 2025 nach Alter analysiert.
Abb. 7: 5-Jahres-Überleben nach Altersgruppen von Patient:innen mit einer Krebserkrankung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung
(alters- und geschlechtsgematcht)
Messung von „Überlebensgewinnen“
Beim Vergleich des Überlebens jüngerer mit älteren Patient:innen muss man berücksichtigen, dass ältere Patient:innen schon allein aufgrund ihres Alters und damit verbundener anderer Erkrankungen kürzer leben als jüngere. Deshalb wurde das Überleben nach einer Krebsdiagnose jeweils in Relation zum erwarteten Überleben der gleichen Alterskohorte gesetzt („relatives Überleben“). Die Berechnung von Überlebenswahrscheinlichkeiten nach einer Krebsdiagnose sowie das Konzept des relativen Überlebens wurden bereits im Krebsreport 2022 beschrieben.*
Ältere Menschen haben nach einer Krebsdiagnose aber auch ein schlechteres relatives Überleben als jüngere Patient:innen, weil (wie beschrieben) die Therapie von Krebserkrankungen im Alter erschwert oder unmöglich sein kann (Abbildung 7). Krebs hat also bei älteren Menschen einen stärkeren negativen Einfluss auf die Lebenserwartung als bei jüngeren. Daher ist es wichtig, Verbesserungen in der Prognose immer separat pro Altersgruppe zu betrachten.
Das relative Überleben fünf Jahre nach einer Krebsdiagnose von Patient:innen wurde anschließend pro Altersgruppe zwischen den Diagnosejahren 2005–2009 und den Diagnosejahren 2015–2019 verglichen, um festzustellen, ob sich das Überleben nach einer Krebsdiagnose in diesem Zeitraum für die unterschiedlichen Altersgruppen verbessert hat. Diese Verbesserung der Prognose bezeichnet man als „Überlebensgewinn“ („survival gain“).
Vor Diskussion der Ergebnisse dieser Analyse ist darauf hinzuweisen, dass aufgrund von Verzerrungseffekten in den österreichischen Krebsstatistik-Daten durch Nachmeldungen von Krebserkrankungen aus früheren Jahren bei nunmehr verstorbenen Patient:innen keine genaue Analyse von Überlebensgewinnen von Krebspatient:innen möglich ist. Konkret ist zu erwarten, dass sowohl das Überleben onkologischer Patient:innen in Österreich als auch deren Überlebensgewinne über die Zeit unterschätzt werden und dass Verzerrungen der Überlebensgewinne zugunsten älterer Patient:innen entstehen.2 Aufgrund dieser Verzerrungseffekte wurden die vorliegenden Daten nur sehr vorsichtig interpretiert. Ergebnisse aus Subgruppen mit Fallzahlen von < 100 Patient:innen wurden aus der Betrachtung ausgeschlossen.
Ältere Menschen profitieren von Fortschritten der Krebsmedizin
Die vorliegenden Daten lassen – vorsichtig interpretiert – den Schluss zu, dass es in den letzten Jahren zu klaren Überlebensgewinnen bei zahlreichen Tumorerkrankungen über alle Altersgruppen gekommen ist. Beim Multiplen Myelom und beim Melanom im regionalisierten Stadium waren die größten Überlebensgewinne über alle Altersgruppen hinweg zu beobachten.
Bei Patient:innen zwischen 65 und 74 Jahren kam es zu deutlichen Überlebensgewinnen (> 5 Prozentpunkte) bei den in Tabelle 2a aufgelisteten Erkrankungen. Große Überlebensgewinne (> 5 Prozentpunkte) bei Patient:innen ab 75 Jahren lagen bei den in Tabelle 2b dargestellten Erkrankungen vor. Bei vielen anderen Krebsarten wurden kleinere Überlebensgewinne verzeichnet.
Bei der Interpretation der präsentierten Daten ist neben der wahrscheinlichen Unterschätzung von Überlebensgewinnen auch zu berücksichtigen, dass der Zugewinn ausgehend von sehr unterschiedlichen Werten stattfand. Insgesamt zeigt sich, dass Überlebensgewinne auch in zahlreichen Therapiesituationen älterer und alter Patient:innen beobachtet werden können.
Tab. 2a: Überlebensgewinn (relatives 5-Jahres-Überleben) 2015–2019 im Vergleich zu 2005–2009 bei Patient:innen zwischen 65 und 74 Jahren in Österreich
Quelle: Statistik Austria, Österreichisches Krebsregister (Stand 10.01.2025) und Todesursachenstatistik.
Tab. 2b: Überlebensgewinn (relatives 5-Jahres-Überleben) 2015–2019 im Vergleich zu 2005–2009 bei Patient:innen ab 75 Jahren in Österreich
Quelle: Statistik Austria, Österreichisches Krebsregister (Stand 10.01.2025) und Todesursachenstatistik.
Zusammenfassend zeigen die vorliegenden Daten, dass das Krebsrisiko mit dem Alter ansteigt und die Mehrheit aller Krebspatient:innen 65 Jahre und älter ist. Auch bei älteren und alten Menschen führt eine Krebserkrankung zu einer erhöhten Sterblichkeit, wobei die Auswirkung einer Krebserkrankung auf die Lebenserwartung erheblich mit der Art der Erkrankung zusammenhängt.
Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Anzahl älterer Menschen, die an Krebs erkranken (Inzidenz), und noch mehr die Anzahl jener Älterer, die in den letzten fünf Jahren eine Krebsdiagnose erhielten (5-Jahres-Prävalenz), in den nächsten Jahren ansteigen. Dies wird für das österreichische Gesundheitssystem eine große Herausforderung darstellen, nicht zuletzt auch, weil die Betreuung älterer Menschen mit Krebs oft komplex ist (siehe Wiltschke, Stauder; Seite 20 und 23).
Trotz dieser Herausforderungen zeigen unsere erstmals für Österreich analysierten Daten, dass auch ältere Personen in Österreich mit sehr innovativen (und hochpreisigen) Medikamenten behandelt werden. Dies geschieht, wie unsere Daten eindrucksvoll dokumentieren, bis ins hohe Alter und belegt, dass bei der Behandlung Älterer in Österreich keine Altersgrenzen existieren.
Die Analyse der Überlebensgewinne älterer im Vergleich zu jüngeren Menschen mit Krebserkrankungen zeigt – unter Berücksichtigung methodischer Schwächen –, dass in Österreich bei älteren und alten Menschen neue Krebsmedikamente eingesetzt werden und ältere und alte Patient:innen auch einen Nutzen durch onkologische Innovationen erfahren.
Monika Hackl, Florian Trauner,
Ansgar Weltermann, Kathrin Strasser-Weippl
* Hackl M, Eglau K, Gerger A et al., Epidemiologie von Krebserkrankungen. Österreichischer Krebsreport 2022, S. 16 ff
2 Da in Österreich sog. DCN-Fälle („death certificate notified“; also dem Krebsregister ursprünglich nur vom Totenschein bekannte Krebsfälle) nicht als solche im Krebsregister gekennzeichnet werden, können diese Fälle bei Auswertungen nicht ausgeschlossen werden und führen zu den beschriebenen Verzerrungseffekten. Je höher der Anteil an DCN-Fällen (in Österreich unbekannt), desto stärker sind diese Effekte.