Die Antworten der österreichischen Fachgesellschaften im Berichtsjahr 2025 zeigen ein differenziertes Bild: Während viele Disziplinen bereits über altersgerechte Versorgungsmodelle verfügen, steht in anderen Bereichen der Ausbau geriatrischer Kompetenzen und Strukturen weiterhin im Fokus. Im Mittelpunkt stehen drei Fragen – zu strategischen Maßnahmen angesichts steigender Prävalenzen, zu notwendigen Anpassungen der Versorgungsstrukturen und zu altersgerechten Therapiekonzepten.
Alle Fachgesellschaften betonen die Notwendigkeit einer stärkeren geriatrischen Kompetenz, strukturierter Assessments und interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Die Versorgung älterer und hochbetagter Patient:innen erfordert angepasste Abläufe – von der Früherkennung über Therapieentscheidungen bis zur Nachsorge. Während manche Fächer (z.B. Gynäkologie, Urologie, Gastroenterologie) bereits altersadaptierte Pfade und spezialisierte Teams implementieren, verweisen andere auf strukturelle Engpässe in Personal, ambulanter Versorgung und Rehabilitation.
Trotz unterschiedlicher Ausgangslagen eint die Fachgesellschaften ein Ziel: die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen, altersgerechten Onkologie, die Funktionalität, Lebensqualität und individuelle Therapiezielsetzung gewährleistet.
Stärkung der Ausbildungsinhalte geriatrische Onkologie (Taskforce Geriatrische Onkologie) und Förderung junger Onkolog:innen (YHOGA), um das Fach für Kolleg:innen interessant zu machen und den Nachwuchs zu fördern. Stärkung des Berufsbildes der „Cancer Nurse“, dadurch Erweiterung der onkologisch tätigen Personen, um der gestiegenen Prävalenz Rechnung zu tragen. Initiativen auf dem Gebiet der e-Health und KI (eigene Taskforce der OeGHO) als unterstützende Maßnahmen.
Die Fachgesellschaft thematisiert seit Jahren in ihren Kongressen und Fortbildungen das Thema „Der alte Patient“, wobei immer mehr das biologische Alter der Patient:innen in den Fokus rückt. Dem biologischen Alter entsprechende > 65 Jahre alte Patient:innen sind Teil der Routineversorgung in der Onkologie. Auch Patient:innen > 80 oder sogar > 90 Jahren kann bei entsprechender Risikobewertung und gutem Allgemeinzustand eine onkologische Therapie und onkologische OP zugetraut werden. Eine enge Zusammenarbeit von Onkologie, Anästhesie und Chirurgie sowie Physiotherapie und Pflege, perfekt auf alte Patient:innen abgestimmt, ist hierbei entscheidend.
Strategisch werden für diese zentrale Herausforderung in der gynäkologischen Onkologie folgende Maßnahmen forciert:
Die AHOP versteht sich als Setting-übergreifende Gesellschaft, die u.a. das Ziel verfolgt, onkologisch tätige Pflegepersonen in ihrer täglichen Praxis zu unterstützen. Im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen wird die Behandlung und Pflege älterer Personen vermehrt in den Fokus genommen. Im Jahr 2025 wurde bei der Fortbildungsinitiative „Cancer Nurse up2date“ das geriatrische Assessment umfassend geschult, um die Routine der Cancer Nurses in unterschiedlichen Settings zu stärken. Die geriatrisch-onkologische Pflege wird weiterhin ein fixer Bestandteil unserer Fortbildungsprogramme bleiben.
Eine Projektgruppe der ÖGDV unter der Leitung von Prof. Martin Laimer (PMU Salzburg) befasst sich seit 2021 mit der Ausarbeitung eines Masterplans, welcher der Gesellschaft eine strukturiert strategische Zukunftsplanung ermöglichen soll. Im Rahmen dieses Masterplans 2030+ werden insbesondere auch die prognostizierte demografische Entwicklung und die damit verbundene erwartete signifikante Zunahme der Hautkrebsinzidenz, vor allem den nicht-melanozytären Hautkrebs (NMSC) betreffend, berücksichtigt.
Strategien der ÖGGH umfassen:
Um den steigenden Mehrbedarf an onkologischen PET/CT-Untersuchungen abzubilden, wurde zuletzt nach Verhandlungen mit der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) der Verteilungsschlüssel von 300.000–400.000 Einwohner pro Gerät auf 250.000–350.000 Einwohner pro Gerät gesenkt. Leider sieht diese Gesetzesnovelle weiterhin vor, dass PET/CT-Untersuchungen nur intramural zu planen sind und das bereits existierende extramurale Angebot in einzelnen Bundesländern wie Wien, Niederösterreich und der Steiermark nicht berücksichtigt wird.
Die ÖGP setzt sich für eine bessere Früherkennung von Lungenkrebs ein, da ältere Patient:innen häufig erst in späten Stadien diagnostiziert werden. Strategisch fordern wir ein strukturiertes Screeningprogramm für Risikogruppen, die Einbindung geriatrischer Expertise in Tumorboards sowie die Stärkung regionaler onkologischer Netzwerke. Zudem fördern wir Fortbildungen zur geriatrischen Onkologie, um die komplexen Bedürfnisse von Patient:innen 65+ und 80+ angemessen zu berücksichtigen. Ziel ist eine individualisierte, evidenzbasierte und alltagsnahe Versorgung.
Die Pathologie ist stark materialabhängig – entscheidend ist eine korrekt und artefaktfrei entnommene Probe. Das Alter der Patient:innen spielt dabei grundsätzlich keine Rolle. Bei manchen Diagnosen wird jedoch altersassoziiert gedacht, da bestimmte Pathologien in jüngeren oder älteren Kollektiven häufiger auftreten. Die Altersangabe ist daher hilfreich, aber nicht ausschlaggebend für die Befundung. In einzelnen Bereichen, etwa der Urinzytologie, kann das Alter relevant sein, da bei Hochbetagten altersbedingte Zellveränderungen vorkommen, die nicht pathologisch sind.
Die ÖGRO betrachtet die Versorgung älterer und alter Patient:innen als eine der zentralen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Die demografische Entwicklung lässt klar einen Anstieg der Neuerkrankungen der häufigsten Tumorerkrankungen, welche mit dem Alter assoziiert sind, erwarten. Gleichzeitig muss ein Behandlungskonzept individuell an Komorbiditäten, Zumutbarkeit von Therapienebenwirkungen und Lebenserwartung/-situation angepasst werden. Strategische Maßnahmen sind die flächendeckende Nutzung eines geriatrischen Screenings sowie die strukturierte Etablierung von angepassten Therapiekonzepten für ältere und alte Patient:innen
Die Aufgabe der Palliativmedizin ist die Betreuung von schwer kranken Patient:innen und deren Angehörigen, unabhängig vom Alter. Naturgemäß betrifft dies vorrangig ältere Personen, aber nicht ausschließlich. Der Ansatz der Palliativmedizin mit umfassender, multiprofessioneller Betreuung kommt aber den Bedürfnissen oft multimorbider hochaltriger Patient:innen sehr entgegen, solange sie kognitiv nicht zu sehr eingeschränkt sind, um sich auf die neue Betreuungssituation einstellen zu können.
Aufgrund der alternden Bevölkerung ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung in Österreich – mit rund 7.500 Neuerkrankungen jährlich. Urologische Tumoren machen etwa 23% aller Krebserkrankungen aus, Tendenz steigend. Damit kommt ihnen eine Schlüsselrolle in Prävention, Früherkennung sowie kurativer und palliativer Versorgung zu. Die ÖGU fördert eine PSA-initiierte, risikobasierte Früherkennung gemäß EU-Empfehlung und stärkt die Ausbildung zum/zur umfassenden GU-Expert:in mit geriatrischer, internistischer und operativer Kompetenz. Simulation, interdisziplinäre Lehre und neue Versorgungsformate sichern eine zukunftsfähige Versorgung.
Notwendig ist eine Stärkung der geriatrischen Kapazitäten, insbesondere auch die Anwendung eines strukturierten geriatrischen Assessments in der Onkologie. Weiters die Stärkung der Prähabilitation und Rehabilitation, um ältere Patient:innen gezielt für die Therapie vorzubereiten und nach der Behandlung wieder gut zu integrieren.
Die konkrete Anpassung der Versorgungsstruktur für ältere Patient:innen ist die Schaffung von Möglichkeiten einer verlängerten Rekonvaleszenz, die nicht mehr im Krankenhaus stattfinden muss, aber auch noch nicht zu Hause stattfinden kann. Das heißt, wir brauchen gerade für ältere Menschen eine Zwischenversorgungsstruktur, die die Patient:innen nach dem akuten Aufenthalt im Krankenhaus vor der Einleitung einer weiteren Rehabilitation oder aber der definitiven Entlassung nach Hause weiterbetreut. Dies würde Ressourcen innerhalb der Akutkliniken einsparen und zum anderen eine Rehabilitation sinnvoll führbar machen und Wiederaufnahmen reduzieren.
Dringend nötig sind geriatrische Assessments als Routine, erweiterte Rollen wie Cancer Nurse / Advanced Practice Nurse (APN), interdisziplinäre Tumorboards mit Fokus Geriatrie sowie bessere Vernetzung mit ambulanter Pflege und Hausärzt:innen. Zudem braucht es niederschwellige Unterstützungsangebote (Telepflege, Ernährungsberatung, Rehabilitation), standardisierte Medikationschecks gegen Polypharmazie und mehr Schulung des Behandlungsteams zu Themen der geriatrischen Onkologie. Auch die frühe Integration von Palliativ- und Sozialdiensten wird empfohlen, welche unbedingt ausgebaut werden müssen.
Der Ausbau von OP-Kapazitäten ist sowohl im niedergelassenen Bereich als auch in Spitälern notwendig. Im niedergelassenen Bereich muss dabei die Attraktivierung der Kassenstellen und -tarife erneut thematisiert werden, da viele Eingriffe grundsätzlich in der Ordination möglich wären. Wird der dafür erforderliche Zeitaufwand jedoch nicht angemessen honoriert, erfolgt häufig die Überweisung an Spitalsabteilungen – mit zusätzlichem Zeitaufwand für Patient:innen und höheren Kosten für das Gesundheitssystem.
Für (hoch-)betagte, multimorbide Personen ist die Ambulantisierung vieler Eingriffe (z.B. endoskopische Interventionen) häufig nicht realisierbar. Es ist daher mit einer Zunahme stationärer Behandlungen zu rechnen. Notwendig sind ausreichende intramurale Kapazitäten sowie eine gesicherte Versorgung chronisch kranker und pflegebedürftiger Patient:innen im extramuralen Bereich und an den Schnittstellen zu Pflege, mobilen Diensten und Hospiz. Das Konzept „digital vor ambulant vor stationär“ muss angepasst werden, da Telemedizin oft nicht umsetzbar ist. Erforderlich sind zudem interdisziplinäre, geriatrisch geschulte Behandlungsteams.
Beim Prostatakarzinom hat die Nuklearmedizin in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Die PSMA-PET/CT erlaubt eine frühzeitige Detektion des Tumorausmaßes bereits bei biochemischem PSA-Rezidiv. Mit der zielgerichteten PSMA-Radioligandentherapie (RLT) mit Lutetium-177 steht auch älteren, multimorbiden Patienten eine effektive Option beim kastrationsresistenten metastasierten Prostatakarzinom zur Verfügung. Die steigende Nachfrage ermöglicht teils eine ambulante Durchführung: Zu wünschen wäre, dass die RLT auch extramural mit geschulten Fachärzt:innen für Nuklearmedizin und gesicherter Refundierung angeboten werden kann.
Ältere Patient:innen mit Lungenkrebs benötigen spezialisierte Strukturen, die medizinische und funktionelle Einschränkungen berücksichtigen. Trotz gut ausgebauter Akut- und Spitzenmedizin bestehen Engpässe, da die Zahl niedergelassener Pneumolog:innen regional unzureichend ist. Vorrangig sind wohnortnahe geriatrisch-onkologische Teams, der Ausbau minimalinvasiver und interventioneller Kapazitäten sowie eine gesicherte Überleitung in Pflege und Rehabilitation. Letztere muss altersgerecht gestärkt werden, um auch hochbetagte Patient:innen adäquat zu versorgen.
Die Pathologie selbst ist nicht unmittelbar altersabhängig. Zentral bleibt jedoch die Ausbildung junger Patholog:innen, um die steigende Zahl älterer Patient:innen und damit wachsende Fallzahlen bewältigen zu können. Der Befundungsaufwand nimmt zu, ebenso die Anzahl klinisch angeforderter Zusatzuntersuchungen. Zudem führen neue Biomarker dazu, dass die Pathologie zunehmend auch genetische und molekularpathologische Analysen durchführen muss, was zusätzlichen Personal- und Ressourceneinsatz erfordert.
Strukturierte Maßnahmen zu Risiko-Screening und Nachbetreuung, z.B. in Bezug auf die Entwicklung eines postoperativen Delirs/Durchgangssyndroms, um eine Verzögerung adjuvanter Therapiemaßnahmen zu vermeiden. Optimierung der stationären Betreuung in Bezug auf zusätzliche geriatrische Behandlungs-/Betreuungsmaßnahmen, um die Selbstständigkeit zu erhalten. Darüber hinaus besteht landesweit ein evidenter Mangel an poststationären Betreuungsplätzen (Rehabilitation sowie Kurz- und Langzeitpflege) für alte und ältere Patient:innen, welche nach Akuttherapie noch nicht ins häusliche Umfeld entlassen werden können.
Der Ausbau der Palliativmedizin deckt in Österreich derzeit nur etwa die Hälfte des geplanten Bedarfs für onkologische Patient:innen ab. Soll die Betreuung künftig auch Patient:innen mit schweren Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen umfassen, müssen die Kapazitäten rasch erweitert werden. Besonders dringlich ist dies seit Inkrafttreten des Sterbeverfügungsgesetzes (2022), das eine palliativmedizinische Beratung vorsieht. Daten aus dem ASCIRS-Register zeigen, dass viele Patient:innen vor dieser Beratung keine Kenntnisse über Palliativmedizin haben.
Angesichts der steigenden Zahl älterer Patienten fordern wir altersadaptive OP-Kapazitäten, präoperative geriatrische Assessments sowie den Ausbau ambulanter urologischer Versorgung. Essenziell ist zudem eine stärkere interdisziplinäre Koordination zwischen Urologie, Geriatrie, Radiologie/Nuklearmedizin, Internistische/Radioonkologie, Pathologie, Pflege und Hausärzt:innen – strukturell und personell verankert –, um eine integrierte, patientenzentrierte Versorgung zu ermöglichen.
Grundsätzlich wird jede Therapie an Faktoren wie biologisches Alter und Komorbiditäten angepasst. Es gibt aber auch vermehrt Studienaktivität bei geriatrischen Patient:innen. So ist beispielsweise in der Therapie des fortgeschrittenen inoperablen Magenkarzinoms ein „reduziertes“ Therapiekonzept für ältere oder fragile Patient:innen etabliert und findet Aufnahme in den Onkopedia-Leitlinien.
Es gibt in der onkologischen Chirurgie spezielle Therapiekonzepte für hochbetagte Patient:innen > 80 Jahren sowie jene, bei denen der Sicherheitsaspekt im Vordergrund steht. Besonders bei viszeralchirurgischen Eingriffen erfolgen die Versorgung und Betreuung durch erfahrene Chirurg:innen. Eine umfassende perioperative Risikoabschätzung wird gemeinsam mit Anästhesie, Onkologie und Pflege durchgeführt, beispielsweise in sogenannten „OPA-Analysebesprechungen“, die interdisziplinär stattfinden, wobei „OPA“ als Abkürzung für „Operative Patientenanalyse“ steht. Zudem werden betagte Patient:innen durch Prähabilitationskonzepte optimal auf die OP vorbereitet.
Ja, es bestehen altersgerechte Therapieansätze in der gynäkologischen Onkologie, z.B.:
In der Pflege gibt es CGA(Comprehensive Geriatric Assessment)-gestützte Konzepte, die individuelle Pläne zu Mobilität, Ernährung, Sturz-/Delirprophylaxe oder Medikamentenanpassung ableiten. Die Umsetzung erfolgt regional jedoch sehr unterschiedlich. Die Pflege setzt Symptom- und Nebenwirkungsmanagement, Adhärenzprogramme für orale Therapien sowie Reha- und Prähabilitationsmaßnahmen um. Cancer Nurses sichern die Koordination und Edukation von Patient:innen und APNs die Fachentwicklung im Team und Qualitätssicherung.
Ja, es gibt spezifische Konzepte für ältere und alte Patient:innen mit NMSC und auch oberflächlichem Melanom (in situ). Beispielsweise können statt ausgedehnten Operationen alternativ lokaltherapeutische Verfahren (Topika wie 5-FU, Diclofenac, Imiquimod, Tirbanibulin bzw. photodynamische oder Radiotherapie) zum Einsatz kommen. Es handelt sich hierbei großteils um bereits seit Jahren etablierte Therapien, welche entsprechend in nationalen und internationalen Leitlinienempfehlungen abgebildet sind.
In der Gastroenterologie und Hepatologie bestehen altersadaptierte Therapiekonzepte, die physiologische Veränderungen, Multimorbidität und Polypharmazie berücksichtigen. Entscheidend sind modifizierte Organfunktionen (z.B. Leber, Niere), eine veränderte Pharmakokinetik und ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen. Antivirale Therapien bei HBV- und HCV-Infektionen werden individuell an Nierenfunktion, Knochendichte u.a. angepasst. Auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist das Alter leitend. Altersaspekte sind in mehreren Leitlinien, etwa zu Endoskopie, CED und Leberzirrhose, berücksichtigt.
Im Unterschied zur Radiologie (CT, MRT) weist die nuklearmedizinische Diagnostik keine Einschränkungen durch Nierenfunktion, Schilddrüsenüberfunktion oder Metallimplantate auf. Aufgrund kurzer Aufnahmezeiten von unter 30 Minuten liefert sie auch bei älteren Patient:innen (65+, 80+) hoch aussagekräftige Befunde. Therapien wie die PSMA-RLT beim Prostatakarzinom, Radium-223 bei symptomatischen Knochenmetastasen oder Radiojod beim differenzierten Schilddrüsenkarzinom sind auch in höherem Alter gut durchführbar und verbessern sowohl Krankheitsverlauf als auch Symptomatik bei sehr guter Verträglichkeit.
Für ältere Patient:innen sind individualisierte Therapiekonzepte entscheidend, die Komorbiditäten, Funktionalität und Lebensqualität berücksichtigen. Immuntherapien nehmen aufgrund guter Verträglichkeit einen zentralen Stellenwert ein, auch wenn die Datenlage bei eingeschränktem Performancestatus begrenzt ist. Die IPSOS-Studie zeigte Vorteile von Atezolizumab bei Platin-ungeeigneten Patient:innen ≥ 70 Jahren, und KEYNOTE-Analysen belegen für Pembrolizumab bei ≥ 75-Jährigen deutliche Überlebensvorteile. In Frühstadien gilt die SBRT als kurative Standardoption mit hoher lokaler Kontrolle.
Es gibt in unserem Fachbereich keine spezifischen Therapiekonzepte für die genannten Altersgruppen. Wie bereits erwähnt, werden mittlerweile sehr viele Gewebebiomarker und auch genetische Biomarker von Kliniker:innen zur personalisierten Behandlung verlangt. Dies gilt sowohl für jüngere als auch ältere Patient: innen. Dadurch, dass die Patient:innen zum Teil länger leben, werden auch die Verlaufskontrollen (neue Biopsie etc.) aufwendiger in der Pathologie. In unseren Leitlinien gibt es deswegen auch keine diesbezüglichen fachspezifischen Empfehlungen.
Es gibt seit einigen Jahren zunehmend angepasste radioonkologische Therapiekonzepte für ältere und alte Patient:innen. Hypofraktionierte Bestrahlungskonzepte für einige Tumorentitäten (z.B. Mamma-/Prostatakarzinom) verkürzen die Behandlungsdauer und führen bei älteren und alten Patient:innen zu höherer Therapieadhärenz ohne Erhöhung relevanter Spättoxizitäten. Akuttoxizitäten sind zu minimieren, um die Durchführbarkeit der Behandlung zu sichern. Häufig geschieht dies durch kleinere Behandlungsvolumina oder modifizierte Systemtherapie für „fraile“ Patient:innen. Bei ausreichender Evidenz sind diese in Leitlinien abgebildet, was sicher noch nicht systematisch erfolgt.
Jede palliative Begleitung erfolgt nach multidisziplinärer Einschätzung der Bedürfnisse der betreffenden Person und ihrer Angehörigen und in Rücksprache mit den Betroffenen. Da der Altersdurchschnitt der betreuten Personen durchaus im Bereich der älteren und alten Personen liegt, ist geriatrisches Fachwissen Teil der meisten palliativmedizinischen Interventionen und gehört somit zum Alltag aller Teams.
Wir setzen verschiedene Strategien mit geriatrischen Komponenten um – etwa strukturierte Assessments, altersadaptierte Therapiepfade, interdisziplinäre Fallkonferenzen sowie Schulungen für Ärzt:innen und Pflegekräfte. Bei älteren Männern mit lokalisiertem Prostatakarzinom wird eine risikoadaptierte aktive Überwachung oder fokale Therapie empfohlen, um Übertherapie zu vermeiden. In fortgeschrittenen Stadien stehen individuell abgestimmte, schonende Behandlungsstrategien im Vordergrund, die Funktionalität, Komorbiditäten und Lebensqualität berücksichtigen.