Europäischer Kodex gegen Krebs

Während die Wissenschaft zwischen Primärprävention (Vermeidung von Krankheiten bzw. Erkennen von Risikofaktoren), Sekundärprävention (Früherkennung von symptomlosen Krankheiten z.B. durch „Screenings“) und Tertiärprävention (Milderung von Krankheitsfolgen, Rezidivvermeidung, Rehabilitation) unterscheidet, werden diese Maßnahmen und Empfehlungen im allgemeinen Sprachgebrauch „Vorsorge“ genannt.
Die Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils und der Inanspruchnahme von Krebs-Früherkennungsuntersuchungen ist ausreichend dokumentiert und der Mehrzahl der Bevölkerung bekannt (Krebshilfe; Spectra 2005–2015). Trotzdem stellt es sich immer noch als Herausforderung dar, die Bevölkerung zu motivieren, diese Maßnahmen eines gesunden Lebensstils auch umzusetzen und Krebs-Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen. Die Einführung von Screeningprogrammen ist ein wichtiger Schritt, um die Inanspruchnahme nachhaltig zu verbessern.

Rauchen ist immer noch weltweit die häufigste vermeidbare Ursache für (Krebs-)Erkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass jedes Jahr rund 6 Millionen Todesfälle auf Tabakkonsum zurückgehen und in diesem Jahrhundert eine Milliarde Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben wird.Eine zunehmend besorgniserregende Entwicklung kommt jedoch dem Übergewicht und der mangelnden regelmäßigen Bewegung zu: Während weltweit die Anzahl der RaucherInnen und die Zahl der durch Rauchen bedingten Krebserkrankungen sinken, könnte die Fettleibigkeit bald den ersten Platz als Hauptursache für Krebs einnehmen.

Um die Bevölkerung verstärkt über die Wichtigkeit der Krebsvorsorgemaßnahmen zu informieren, wurde 1987 auf ­Initiative der Europäischen Kommission der Europäische Kodex zur Krebsbekämpfung (1. Auflage) ins Leben gerufen. Die 4. Auflage wurde in den Jahren 2012 und 2013 von KrebsspezialistInnen, WissenschafterInnen und anderen ExpertInnen aus der gesamten Europäischen Union im Rahmen eines von der International Agency for Research on Cancer (IARC) der World Health Organization (WHO) koordinierten Projekts mit finanzieller Unterstützung aus dem EU-Gesundheitsprogramm ausgearbeitet.* Diese Auflage umfasst 12 Empfehlungen (siehe Seite. 27), die die meisten Menschen ohne besondere Fachkenntnisse oder Beratung umsetzen können. Je mehr Empfehlungen man befolgt, desto geringer ist das Krebsrisiko. Schätzungen zufolge ließe sich fast die Hälfte aller Todesfälle aufgrund von Krebs in Europa vermeiden, wenn die Empfehlungen allgemein befolgt würden (https://cancer-code-europe.iarc.fr/images/doc/1_12ways.pdf).


Doris Kiefhaber

* Anmerkung: Bei der Formulierung der Empfehlungen haben die ExpertInnen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt. Alle ExpertInnen, die zur 4. Auflage beigetragen haben, wurden gebeten, unabhängig zu arbeiten und sich nur von ihrer Expertenmeinung und nicht von der Position einer Organisation oder Einrichtung leiten zu lassen. Sie wurden darüber hinaus aufgefordert, über jegliche echten oder vermeintlichen Interessen im Zusammenhang mit dem Thema zu informieren.