Eine Befragung der Österreichischen Krebshilfe unter der österreichischen Bevölkerung mit dem Ziel, das Meinungsbild über das Wissen zu Krebserkrankungen und das Verhalten in der Krebsvorsorge zu erfassen, fand nun zum dritten Mal innerhalb von 20 Jahren statt (2005, 2015, 2025). Die Ergebnisse für die Gruppe der Befragten ab 60 Jahren (60+) bzw. ab 70 Jahren (70+) zeigen, dass ein hoher Prozentsatz (über 95%) der Befragten konkretes Wissen über Vorsorgemaßnahmen aufweist und bis zu 70% der Befragten schon einmal eine Untersuchung in Anspruch genommen haben.
Die Erhebung richtete sich 2025 an insgesamt 2.000 im Austrian Onlinepool (AOP) registrierte Personen. Die Stichprobe wurde disproportional über die Bundesländer gelegt, sodass jedes Bundesland mit einer Teilstichprobe von mindestens 200 Interviews enthalten ist (einzig Vorarlberg ist nur mit 171 Interviews vertreten). Die Gesamtstichprobe wurde für die Auswertungen wieder proportional gewichtet.
Es wurden 973 Männer und 1.027 Frauen einbezogen. Die Stichprobenauswahl erfolgte repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 15 Jahren durch das Quotaverfahren unter Berücksichtigung von Geschlecht, Alter und Bundesland. Die Befragungen erfolgten online mittels AOP und fanden vom 7. bis 20. Juli 2025 statt. Das Vorsorgeverhalten der Gruppen von 60+ bzw. 70+, die aus 705 bzw. 341 befragten Personen bestanden, ist Gegenstand dieser Präsentation.
Die Diagnose der Krebserkrankung im Frühstadium hat – zusammen mit der Art der Tumorentität – aus Sicht der Befragten den größten Einfluss auf die Heilungschancen. Die körperliche Verfassung der Krebserkrankten hat nach Ansicht der Befragten einen stärkeren Einfluss als deren psychische Verfassung.
Das Wissen um Maßnahmen zur Krebsfrüherkennung bei Frauen und Männern, wie Mammografie, PAP-Abstrich (Untersuchung Gebärmutterhals), Inspektion der Haut (Muttermal-Check) Dickdarmkrebs-Früherkennung (Stuhltest, Darmspiegelung) und Prostatauntersuchung ist in der Stichprobe sehr hoch und liegt bei Frauen bei 98% zu Brust (Mammografie), 90% zu Dickdarm und 96% zu Krebsabstrich, bei Männern bei 89% zu Prostata und 86% zu Dickdarm (Wissen über Krebsfrüherkennungsmaßnahmen; vgl. Tabelle 1).
In der Gruppe der Befragten ab 60 Jahren betrug dieses Wissen 100% bei Mammografie und Zervixabstrich bzw. 98% für Dickdarmkrebs-Früherkennung. Das Wissen um die Maßnahmen zur Krebsfrüherkennung ist bei den befragten Männern für Prostatakrebs (97%) und Dickdarmuntersuchungen (98%) ebenfalls sehr hoch. Somit ist festzuhalten, dass in der Stichprobe 60+ Maßnahmen zur Früherkennung bei Frauen und Männern flächendeckend bekannt sind.
Tab. 1: Übersicht: Wissen über Krebsfrüherkennungsmaßnahmen (nach Geschlecht und Alter)
Quelle: Spectra, Krebsstudie Österreich, Juli 2025
63% der Befragten haben zumindest einmal eine der abgefragten Krebsfrüherkennungsmaßnahmen in Anspruch genommen, während 37% der Befragten bislang keine Untersuchungen vornehmen ließen. Generell nutzten Frauen (73%) die Maßnahmen intensiver als Männer (53%), was vermutlich mit der höheren Gesundheitskompetenz von Frauen zusammenhängt. Je älter die Befragten waren, desto größer war naturgemäß die Wahrscheinlichkeit, dass eine konkrete Maßnahme einmal in Anspruch genommen wurde. In der Gruppe 59–70 Jahre waren es 72%, in der Gruppe 70+ 76% der Befragten, die eine Untersuchung zumindest einmal durchführen ließen. (Wie viele der Befragten in der Gruppe 60+ welche Früherkennungsmaßnahme zumindest einmal in Anspruch genommen haben; vgl. Tabelle 2).
Die einmalige Nutzung der Mammografie als Vorsorgeuntersuchung bei Frauen im Alter ab 60 Jahren betrug 72%.
66% der Befragten ab 60 Jahren hatten bereits zumindest einen PAP-Test als Vorsorgeuntersuchung in Anspruch genommen, nur 11% auch einen HPV-Test.
Knapp die Hälfte aller befragten Männer hat schon einmal von einem Arzt / einer Ärztin die Empfehlung zur Prostatakrebs-Früherkennung erhalten. In der Altersgruppe 40+ sind es 64%, bei den 50- bis 69-Jährigen 71% und bei den über 70-Jährigen 75%.
Allerdings haben nach eigenen Angaben bislang nur 35% dieser Gesamtgruppe eine Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchung durchführen lassen. In der Zielgruppe der Männer 60+ steigt die Nutzung auf 63%. Bei diesen Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchungen wurde zumeist sowohl eine Tastuntersuchung (81%) durchgeführt als auch der PSA-Wert (79%) ermittelt. Bei 58% wurde auch Ultraschall angewendet.
Tab. 2: Zumindest einmalige Nutzung einer Früherkennungsuntersuchung (nach Geschlecht und Maßnahme, Altersgruppe 60+)
Quelle: Spectra, Krebsstudie Österreich, Juli 2025
90% der befragten Frauen und 86% der befragten Männer war die Möglichkeit einer Dickdarmkrebs-Früherkennung bekannt. Jeweils 34% der Frauen und Männer (ab 15 Jahren) haben schon einmal eine derartige Früherkennungsuntersuchung durchführen lassen, was in den letzten zehn Jahren einer Steigerung um 6 Prozentpunkte bei Frauen und um 9 Prozentpunkte bei Männern entspricht (2015 haben 28% der Frauen und 25% der Männer schon einmal eine derartige Früherkennungsuntersuchung durchführen lassen). In der Gruppe der Personen ab 60 Jahren steigt die Nutzungsrate auf 56% bei Männern bzw. 63% bei Frauen. Zumeist wurde im Zuge der Dickdarmkrebs-Früherkennungsuntersuchung eine Darmspiegelung (84%) in Anspruch genommen; 63% gaben an, einen Okkult-Test gemacht zu haben.
96% der Frauen und 93% der Männer ist die Hautkrebs-Früherkennung (Muttermal-Check) ein Begriff. Die Nutzung dieser Untersuchungsmöglichkeit (zumindest einmalige Durchführung) liegt in der Gruppe der über 60-Jährigen bei Frauen bei 49% und bei Männern bei 50%.
Michael Micksche †, Doris Kiefhaber